Verwahrloster, randständiger Nachbar.

Hallo zusammen!

Ich bewohne eine Wohnung in einem Zweifamilienhaus. Mein Mitbewohner ist Anfang 60 und als Resultat einer Betriebsumstrukturierung, seit etwa 10 Jahren (!) im Ruhestand. Er hat gesundheitliche Probleme, kaum soziale Kontakte und verwahrlost langsam. Hilfe lehnt er ab, obwohl diese dringendst nötig wäre.
Krankheits bedingt, ist er praktisch blind, was weitreichende Folgen hat. So ist er nicht mehr in der Lage, seine Administrativen Angelegenheiten zu regeln. Ich habe schon vor Jahren bei der Vormundschafts-Kommission der Gemeinde vor gesprochen, wie auch beim Sozialamt. Dies hat nichts gebracht, der Hinweis wurde schlicht ignoriert, bzw. wurde ich darauf hingewiesen, dass ich eine schriftliche Verdachtsmeldung verfassen müsse, sonst würden sie nicht handeln. (Man habe auch sonst schon viel zu tun…) Eine weitere Meldung erfolgte vor einige Monaten durch den Vermieter, auch ohne Wirkung… Sein Bruder kennt seine Situation, sein Sohn hat den Kontakt zu ihm abgebrochen…

Mit gut zureden ist da nichts mehr zu machen. Der Mann braucht mindestens einen Beistand, wenn nicht einen Vormund. Wurde jemand von euch auch schon mit einer solchen Situation konfrontiert? Gibt es diesbezüglich Beratungsstellen oder Organisationen, die Unterstützung gewähren?

Gruss Andreas

hallo andreas - wir haben vor einigen jahren in einem haus zur miete gewohnt mit einem hausbesitzer, der ähnlich an der grenze zur verwahrlosung war. gesundheitlich war er fit und geistig auch, aber ein völliger messi und teilweise halt sehr schwierig da ihm soziale kontakte völlig gefehlt haben, seit jahren ohne arbeit (er lebt von den mieteinnahmen der drei von ihm vermieteten wohnungen).

warum ziehst du dort nicht aus, wenn es dich offenbar so sehr stört/belastet? hast du es schon mal versucht mit einem guten kontakt zum sozialamt vorausgesetzt, ihm hilfe anzubieten? hast du schon mal versucht mit einer anderen sozialen institution? mit einem persönlichen gespräch von dir, sprich mit menschlicher wärme, verständnis?

ich kenne leider die hilfsorganisationen im kanton bern nicht, aber event. kann dir die telefonseelsorge oder der sozialdienst mit einer entsprechenden einrichtung weiterhelfen, die dem mann weiterhelfen könnte, oder allenfalls die sozialberatung der pro senectute…
viel glück und herzliche grüsse susann

Hallo Susann
Ich glaube kaum, dass ein Wegzug von mir, seine Probleme lösen könnte…
Wir haben getrennte Eingänge und er lebt sehr still und zurückgezogen. Gegen aussen wirkt er einigermassen gepflegt, auch ist er kein Messi.
Mir stellt sich einfach die Frage, warum niemand handelt… Bedingt durch seine Passivität, hatte er mehrfach Kontakte “von Amtes wegen”, er hat einen Arzt, Bruder und “Gläubiger”, welche seine Situation kennen. Mir soll keiner mit dem Amtsgeheimnis und dergleichen kommen, das hört irgendwann auf, wenn es um “Leib und Leben” geht… Dass seine Situation in absehbarer Zeit nicht mehr tragbar sein wird, ist abzusehen…, er wird wahrscheinlich durch alle regulären, sozialen Netze fallen…

hast du denn keinen direkten draht zu einer amtsperson? dem arzt der behandelt? dem sozialamt oder jemandem der dort arbeitet oder halt eben der sozialberatung der pro senectute, dass die eine sozialberaterin vorbeischicken könnten?

ich verstehe schon um was es dir geht - mir wäre auch nicht wohl - und ich denke mir auch, dass es schon viel zu viele menschen gibt die die augen verschliessen vor dem elend der leute - bis es dann halt den zapfen abjagt und einer einen seich fabriziert - ich hoffe nur, du bist dann davon nicht betroffen…

manchmal hat die beratungsstelle der heilsarmee noch ein offenes ohr oder die blaukreuzstelle wenn er auch mit alkohol probleme hätte…
gruss susann

Einen guten Draht zu einer Amtsperson sollte schlicht nicht nötig sein… Den brauche ich ja auch nicht, um mich nach dem Umzug bei der neuen Gemeinde anzumelden, die Steuern oder andere Abgaben zu bezahlen… Behörden handeln von Amtes wegen, Hinweise dazu habe sie genügend bekommen… Man sollte sich auch bewusst sein, was man mit seinem Handeln auslöst. Der Gedanke, dass man ihn dann “versorget”, macht mich dann auch nicht froh, obwohl er an seiner Situation zum grössten Teil selber Schuld ist… So gesehen ist eine “neutrale Alternative” wie die Pro-Senectute sicher nicht schlecht, wobei der dann wieder die Durchsetzungsfähigkeit fehlt. Kirchliche Organisationen kommen für mich nicht in Frage, würde mich selber stink sauer machen, wie auch Vermittlungsversuche im Rahmen der Familie, sehr heikel…

Gruss Andreas

dann vielleicht der rat eines mannebüro oder ähnliches oder dann halt doch pro senectute, obwohl die manchmal auch die fürsorge oder gemeinden zu hilfe holen…und das mit dem schlechten gewissen oder selber-sich-im-weg-stehen bzw. unwohl fühlen, das ist dann halt die andere seite der medaille und damit wird man dann halt wohl leben müssen…vielleicht einfach abwägen mit was einem dann wohler ist.

Die Geschichte hat eine doch dramatische Wendung genommen… Ich sah mich gezwungen die Behörden einzuschalten. Sein Gesundheitszustand verschlechterte sich derart, dass mit gut zureden und der Hilfe von neutralen Dritten nichts mehr zu machen war.
Wir mussten uns Zugang zu seiner Wohnung verschaffen, da er ohnmächtig am Boden lag… Zur Unterhaltung des ganzen (Bünzli-) Quartiers war die Polizei, Ambulanz und Vormundschaft erschienen…

Mein Fazit: Willst du jemandem helfen und er oder sie lehnt dies ab, ist nichts zu machen… Jeder kann und darf so leben wie er will, das wird dir auch von den Behörden so gesagt, Unterstützung ist da nicht zu erwarten…
Erst wenn jemand kurz vor dem Ableben steht, kommen alle und (wollen) helfen…, was dann viel mehr kostet…
Was mich besonders sauer mach ist die Tatsache, dass er an seiner Situation zu fast 100% selber Schuld ist…

Gruss

Hallo quartz

Danke fürs Update. Dann hoffen wir mal, es nimmt sich jetzt jemand der Sache an und findet einen passenden Aufenthaltsort. Du hast schon recht, es ist fragwürdig, wenn niemand helfen will, kann oder darf. Auf der anderen Seite ist es uns ja auch recht, mischt sich der Staat nicht überall ein.

Gruss, Alamo

ich will ja nun die schweiz nicht besser machen als sie ist und deren soziale einrichtungen auch nicht, obwohl ich jahrelang auf dem gebiet gearbeitet habe.

aber - kann es sein dass es von kanton zu kanton verschieden ist mit den angeboten? und vorallem spielt es wohl auch eine rolle wie engagiert jemand ist…ich finde es schon traurig, dass die leute sich erst aufraffen wenn es etwas zum gaffen gibt oder sie sich halt unangenehm einmischen können. fällt einem auch grade dann auf wenn es um kinder geht die “verhungert werden” da will keiner was gesehen oder gehört haben.

schade, dass du solche erfahrungen machen musstest, dennoch herzlichen dank für deinen bescheid und hoffentlich geht es für dich nun besser weiter!
lg susann

Hallo Quartz

Es ist die persönliche Freiheit des einzelnen, sich zu weigern Hilfe anzunehmen. Auch wenn er die wirklich nötig hätte .
Ist auch richtig so.
Wer helfen will, muss sich auf viele auszufüllende Formulare und viele Stunden Aufwand gefasst machen. Bei mir waren es etwa 40 - 50 Std. Aufwand. Suva-IV-etc. (unbezahlt)
Ich habe diese Situation mit einem ehemaligen Arbeitnehmer erlebt.

Die zuständigen Stellen haben es noch immer nicht geschafft, einander die Daten weiterzugeben.
Wenn das ganze mal aufgegleist ist, funktioniert das Räderwerk tadellos.

Als Notanker bietet sich das Spital an. Sie organisieren Notfalls den Psychiater der eine Einweisung fürsorglich verfügt.
Das selbe funktioniert bei Autofahrern welche nicht einsehen, das sie eine Gefahr für die Umwelt sind. Die Polizei kann den Ausweis fürsorglich entziehen. Auch ohne das bereits ein Unfall passiert ist.

Turbo